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Das Netz der Internet-Punks Im Reich der Anarchisten Ein Webführer zu den Krypto-Rebellen Von Thomas Fischermann Sie nennen sich Cypherpunks, Krypto-Rebellen oder Krypto-Anarchisten und haben den Datenschutz auf die Spitze getrieben. Sie träumen von einem völlig unbelauschten Austausch von Informationen, einem gesetzeslosen Cyberspace. Die Ohnmacht der Steuer- und Polizeibehörden, ja sogar das Ende der Nationalstaaten sollen folgen. Anfang der 90er Jahre begann der Kult mit einem Manifest: Die Gründungserklärung der Cypherpunks schrieb Eric Hughes Einen guten Überblick über die Szene bietet die Webseite von Vince Cate, einem Hackers und Cypherpunk, der sich nach Anguilla abgesetzt und am Palmenstrand seine Server aufgestellt hat ( http://online.offshore.com.ai/security/ ). Der technische Hintergrund wird zum Beispiel hier erläutert: www.ssh.fi/support/cryptography/index.html . Über aktuelle Entwicklungen in der Crypto-Szene halten die Homepage von Bruce Schneier ( www.schneier.com ) und sein Newsletter Crypto-Gram Spione im Netz Die meisten Computerbenutzer haben freilich sehr viel praktischere Probleme mit dem Datenschutz - so weit sie überhaupt von ihnen wissen. Bösartige Hacker, Skript-Kiddies, Diebe von Passwörtern und Kreditkartennummern tummeln sich immer zahlreicher im Netz und kommen mit immer neuen technischen Tricks an ihr Ziel. Ein Grund, warum die Hersteller von Sicherheitsprogrammen für Computer zu den Boombranchen der Internetwirtschaft gehört. So genannte Virenschutzprogramme und Firewalls (siehe zum Beispiel www.zonelabs.com ) finden für 30, 100, gar 300 Euro im Jahr ihre Abnehmer. Hackerschutzprogramme Doch sicher vor Spionen, warnen Datenschutzexperten, machen solche Programme das Internet noch lange nicht. Jede Email flitzt wie eine offene Postkarte durchs Netz und kann mit entsprechenden Computerkenntnissen entlang des Weges gelesen werden. Jeder Internet-Provider, manche Polizeibehörde, interessierte Hacker und sogar geschickte Internet-Marketingexperten können wissen, welche Beiträge ein Surfer in Newsgroups gelesen hat, welche Webseiten er bevorzugt, welche Musik oder Filme er auf Internet-Tauschbörsen handelt. In einigen prominenten Fällen haben Gesetzeshüter solche Informationen bereits angezapt, in anderen auch private Gruppen wie der Verband der amerikanischen Musikindustrie RIAA, der im Augenblick Tausende Raubkopierer in den USA verklagt Gegen solche Übergriffe helfen nur die Techniken der Krypto-Rebellen und Cypherpunks. Verschlüsselte Email zum Beispiel ( www.hushmail.com , www.mailvault.com , www.pgp.com ). Trickreiche Emailsysteme wie der "Remailer" der Cypherpunks auf Tonga ( www.cypherpunks.to ) oder anderer Betreiber All diese Dinge bleiben ein Katz-und-Maus-Spiel. Viele virtuelle Tarnkappentechniken sind noch davon abhängig, dass ihre Betreiber die sensiblen Daten wirklich vernichten oder für sich behalten. Was tun sie, wenn plötzlich die Polizei mit einer einstweiligen Verfügung vor der Tür steht? Ein Remailer in Finnland musste einmal die Identität seiner Kundschaft bekannt geben, bloß weil die Sekte Scientology geklagt hatte ( www.xs4all.nl/~kspaink/cos/rnewman/anon/penet.html ). In einigen Jurisdiktionen wie den USA dürften die Betreiber solcher "Privatsphären-Dienstleistungen" nicht mal ihren Kunden mitteilen, wenn sich eine Behörde für deren Surfgewohnheiten interessiert. Da man für einige Anonymitäts-Dienste mit Kreditkarten bezahlen muss, ist es mit deren Anonymität ohnehin selten weit her. Schließlich ist der Besitzer einer Kreditkarte einfach zu finden. Wirklich anonyme Zahlungsmittel im Internet, ein Traum der Cypherpunk-Szene, stecken noch in ihren Kinderschuhen. Geld aus Staub Allerdings: Es wird daran gearbeitet. Als der Erfinder des digital cash - des Cybergeldes, das nur noch aus Datenstaub besteht - gilt der Mathematiker und Computerwissenschaftler David Chaum ( www.chaum.com ). Seit seinen richtungweisenden Veröffentlichungen in den 80er Jahren ist eine Fülle von Konzepten und sogar funktionsfähigen Tauschsystemen entstanden. Mit den ökonomischen Auswirkungen dieser Entwicklungen beschäftigt sich zum Beispiel der kalifornische Ökonom Hal Varian Mit dem Cybergeld, mit dem persönlichen Datenschutz, mit rechtlichen Fragen rings um die Privatsphäre im Internet und mit dem Aufstieg der "Überwachungsgesellschaft" haben sich inzwischen auch etliche wissenschaftliche Institute und Denkfabriken auseinander gesetzt. Siehe zum Beispiel http://qsilver.queensu.ca/sociology/Surveillance/intro.htm oder die Seite http://cyber.law.harvard.edu/home/ oder http://cyberlaw.stanford.edu/ , http://www.temple.edu/lawschool/dpost/writings.html ; ebenso das Center for Democracy and Technology ( www.cdt.org ), die Electronic Frontier Foundation Zu den aktuellen Reizthemen der Szene gehört der mangelnde Datenschutz im Flugverkehr, dem die Webseite www.dontspyon.us gewidmet ist. Die Montage von Überwachungschips auf Konsumprodukten hat eine andere Gruppierung auf die Barrikaden getrieben: www.spychips.com . Und unter dem Druck von Datenschutzgruppen musste die Firma Diebold gerade einen argen Dämpfer einstecken ( www.eff.org/Legal/ISP_liability/OPG_v_Diebold/20031201_eff_pr.php ): Sie wollte Hacker verklagen, die Bauanleitungen und Sicherheitslücken ihrer Registriergeräte für US-Wahlen ins Internet gestellt hatten. Sie ist gescheitert. Weiterführende Literatur Weiterführende Informationen über Verschlüsselungs- und Sicherheitsfragen bietet die führende Internet-Sicherheitsmesse RSA, im Internet zu finden unter www.rsasecurity.com . Wer noch tiefer in die Welt der Kryptographie und der wirtschaftlichen und sozialen Fragen ringsherum einsteigen will, kann natürlich auch "offline" gehen - und sich ein Buch kaufen. Vorschläge: Bruce Schneier: Applied Cryptography John Wiley & Sons, Januar 1996, 784 Seiten David Kahn: The Code-Breakers Steven Levy: Crypto Jay Stanley und Barry Steinhardt: Bigger Monster, Weaker Chains David Lyon: Surveillance Society James Bamford: The Puzzle Palace James Bamford: Body of Secrets Neal Stephenson: Cryptonomicon Thomas Fischermann: Next Economy |